Heute vor 20 Jahren startete der Beweis im Kino, dass Remakes auch gut sein können

Wer würde je auf die Idee kommen, einen prägenden Hongkong-Klassiker wie Infernal Affairs neu zu verfilmen? Und dann vor allem auch noch als englischsprachiges Remake? Nur damit der Westen keine Untertitel lesen muss?! Die Filmwelt war schockiert und entrüstet, als sich ausgerechnet Martin Scorsese dieser Aufgabe annahm.
Doch dann kam am 6. Oktober 2026 Departed – Unter Feinden ins Kino und verwandelte sich in einen Leinwandtriumph sondergleichen. Nicht viele Filmschaffende haben eine Neuverfilmung ins Kino gebracht, die dem Original auf Augenhöhe begegnet und trotzdem etwas völlig Eigenes ist, das bis zur letzten Sekunde fesselt.
Departed verlagert Infernal Affair nach Boston
Wie auch Infernal Affairs erzählt Departed eine klassische Katz-und-Maus-Geschichte. Die Handlung spielt sich aber nicht mehr in den Straßen von Hongkong ab. Stattdessen finden wir uns in einem rauen Boston wieder, wo Cops and Criminals aneinandergeraten, wobei in diesem speziellen Fall niemand so richtig weiß, wer wer ist.
Billy Costigan (Leonardo DiCaprio) wird als Undercover-Polizist in die Kreise von Frank Costelle (Jack Nicholson) eingeschleust, der die Stadt als Mafiaboss fest im Griff hat. Costelle wiederum hat selbst einen Maulwurf positioniert: Colin Sullivan (Matt Damon) schleicht sich in das Polizeipräsidium ein und macht dort Karriere.
Beide Seiten wissen, dass es irgendwo eine undichte Stelle gibt. Dieses ausfindig zu machen, erweist sich als Geduldsprobe – und das in einer Umgebung, in der der Druck von allen Seiten wächst. Fortan folgen wir Costigan und Sullivan, wie sie umeinander kreisen, die Luft anhalten und alles daran setzen, sich nicht zu verraten.
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Departed ist viel mehr als nur eine Kopie des Originals
Scorsese auf dem Regiestuhl. DiCaprio, Damon und Nicholson vor der Kamera. Das ist definitiv eine Ansage, die Neugier weckt. Was Departed so gut macht, ist in erster Linie allerdings nicht die Star-Power vor und hinter den Kulissen. Viel wichtiger ist, dass die von William Monahan geschriebene Neuauflage eine eigene Identität besitzt.
Viele Remakes halten sich sklavisch an das Original, ahmen jeden Story-Beat nach und wissen auch inszenatorisch keine frischen Akzente zu setzen. Nicht selten werden ikonische Bilder einfach in einer blasseren Version nachgestellt, sodass es erst einen David Fincher braucht, der mit Verblendung komplett ausrastet.
Scorseses Version von Departed passt mehr zum Fincher-Ansatz und verwandelt die Infernal Affairs-Geschichte in ein abgründiges Boston-Epos, das sich ebenso in der Tradition des amerikanischen Gangsterfilms sieht. Ein Genre, das Scorsese selbst maßgeblich mit Filmen wie GoodFellas und Casino geprägt hat.
Departed ist durch und durch ein Scorsese-Film
Die Handschrift des Regisseurs ist unverkennbar und zieht sich durch jede Faser des Films. Damit kommt auch ein tonaler Wechsel gegenüber dem Original daher: Die eleganten, kontrollierten Bilder weichen einer kalten, dreckigen Atmosphäre. Die Figuren fluchen, als gäbe es kein Morgen, und schrecken vor keiner Gewalttat zurück.
Das hier ist kein Abpauschen, sondern ein Adaptieren mit einer klaren Vision, die im Finale sogar das ikonischste Bild aus Infernal Affairs aufgreifen kann, ohne wie eine dreiste oder leblose Kopie zu wirken. Wenn Costigan und Co. am Ende auf dem Dach stehen, besitzt Departed seinen eigenen Schweiß, sein eigenes Blut.
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Anstelle einer zahnlosen Neuverfilmung hat Scorsese eine packende Neuinterpretation geschaffen. Das kam bei Kritik und Publikum sehr gut an. Und bei den Oscars räumte Departed vier Trophäen ab: Bester Film, Beste Regie, Bestes adaptiertes Drehbuch und Bester Schnitt. Zudem war Mark Wahlberg als Bester Nebendarsteller nominiert.
So schneidet Departed im Schnitt ab:
- CinemaScore – A-
- Rotten Tomatoes (Kritik) – 91 Prozent positive Bewertungen
- Rotten Tomatoes (Publikum) – 94 Prozent positive Bewertungen
- Metacritic (Kritik) – 85 von 100 Punkten
- Metacritic (Publikum) – 8,6 von 10 Punkten
- IMDb – 8,5 von 10 Punkten
- Letterboxd – 4,4 von 5 Punkten
- Moviepilot – 8 von 10 Punkten
Auch an den Kinokassen war Departed ein Erfolg. Bei einem Budget von 90 Millionen US-Dollar konnte der Film mit einem weltweiten Einspielergebnis von 292 Millionen US-Dollar mehr als das Dreifache seiner Produktionskosten einnehmen.
Departed – Unter Feinden streamt aktuell bei HBO Max im Abo.
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